Im Eiltempo zu mehr Nachhaltigkeit

Neue Strukturen, mehr Investitionen, mehr Einfluss

Nachdem Nachhaltigkeit in der aktuellen Unternehmensstrategie SMART25 fest verankert wurde, bilden sich nun die dafür erforderlichen Strukturen im Unternehmen heraus. Welche Fahrt das Thema inzwischen aufgenommen hat, schildert Philipp Unger, Head of Group Sustainability Management bei Schnellecke, im Gespräch mit der Redaktion.

 

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Inzwischen haben weltweit alle Regionen von Schnellecke Beauftragte für Nachhaltigkeit benannt. Damit soll ab sofort das Reporting vereinfacht und das Thema strukturiert in die Belegschaften getragen werden. „Wir orientieren uns dabei an zwei Leitlinien“, erklärt Unger. „Das sind zum einen die Vorgaben des Carbon Disclosure Project (CDP) und zum anderen die des NQC. Dabei handelt es sich um die NQC Ltd., einen global operierenden Dienstleister, der mit Online-Tools die Nachhaltigkeit von Lieferketten evaluiert.“

CDP kennt dabei vier Level: disclosure, awareness, management und leadership. Diese werden mit den Buchstaben D bis A bezeichnet, wobei D die niedrigste Stufe darstellt, A die höchste. „Unser Ziel ist es, 2020 das Level C zu erreichen“, so Unger. „Von da aus wollen wir uns dann zügig auf Stufe B hocharbeiten.“

Grundvoraussetzungen dafür sind die systematische Erfassung aller Energieverbräuche, die Definition klarer Nachhaltigkeitsziele, die Entwicklung einer entsprechenden Strategie und die regelmäßige Berichterstattung an den Vorstand. „Das alles haben wir bereits auf den Weg gebracht oder arbeiten gerade daran“, betont Unger.

 

Nachhaltigkeitsprüfung bei Investitionen

Ein konkretes Projekt, das kurz vor dem Abschluss (evtl. schon fertig) steht, ist die Einführung einer Lieferantenverpflichtung. „Unser Einkauf hat gemeinsam mit der Rechtsabteilung und uns einen Lieferantenselbstauskunftsbogen nach einheitlichen Kriterien erarbeitet.“, sagt Unger. „Jeder Lieferant muss schriftlich Auskunft geben über seine CSR-Politik und weitere für uns relevante Aspekte. Dabei haben wir verschiedene Eskalationszyklen definiert, falls die Auskunft zu wünschen übriglässt.“ 

Ähnlich sieht es ab sofort auch bei Investitionsprozessen aus. „In Zukunft ist eine Unterschrift von uns zwingend erforderlich, wenn es um neue Anlagen oder Maschinen geht, die Energie verbrauchen, insofern die Investition einen vordefinierten Rahmen überschreitet“, freut sich Unger. „Das reicht vom Gabelstapler bis zum kompletten Gebäude. Damit werden jetzt auch Lebenswegbetrachtungen in die Investitionsentscheidung mit eingebracht. Wenn zum Beispiel Stapler A preiswerter, aber energieintensiver ist als Stapler B, der mehr kostet, aber weniger verbraucht, dann berechnen wir den ROI über die gesamte Nutzungszeit und lassen das einfließen.“

 

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Kulturwandel durch jüngere Generation

Ein Lieblingsprojekt von Unger ist auf mehrere Jahre angelegt. Es entspricht seiner Überzeugung, dass junge Mitarbeitende den Veränderungsprozess in Richtung Nachhaltigkeit vorantreiben werden: „Wir sehen bei unseren Azubis ein großes Interesse an diesem Thema. Und einen echten Kulturwandel kriegen wir auch nur mit der jüngeren Generation hin.“

Gemeinsam mit der Ausbildungsverantwortlichen wurde deshalb ein unternehmenseigenes Programm für Azubis entwickelt, das neben dem Thema Energie auch die Bereiche Umwelt, Qualität, Lean, Gesundheit, Soziales und Arbeitssicherheit umfasst. Azubis besuchen interne Weiterbildungslehrgänge und lernen beispielsweise Messverfahren für Energieverbräuche und die Identifikation von Energiesparpotenzialen kennen.

Das Programm besteht aus drei dreitägigen Schulungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Dann sollen sich die Azubis ein eigenes Projekt aussuchen, das sie bis zum Ende ihrer Ausbildungszeit beenden. Die besten Projekte werden anschließend prämiert – so die Idee. (HSE-Scouts)

Erste Pilot-Ergebnisse gibt es bereits zu vermelden, wie Unger berichtet: „Einer unserer Azubis hat in den Hallen in Wolfsburg die Lampenanzahl erfasst und die Beleuchtungsstärke ermittelt. Auf dieser Grundlage hat er die erforderliche Beleuchtung kalkuliert, die jetzt als Ausgangsbasis für die Umrüstung auf LED Leuchtmittel dient. Und eine unserer dualen Studentinnen hat an einem anderen Standort eine energetische Momentaufnahme gemacht, die den Verbrauch elektrischer Geräte misst. Daraus hat sie per Hochrechnung den Gesamtenergieverbrauch des Standortes ermittelt und diesen mit den Energierechnungen verglichen. Die Ergebnisse waren nahezu deckungsgleich, was beweist, dass die Messungen der Auszubildenden durchaus zuverlässig sind.“ Nach dem Abschluss der ersten Phase 2021 soll das Programm anschließend weltweit ausgerollt werden.

 

Zeitnaher Überblick über Ressourcenverbräuche

Auch beim Thema Nachhaltigkeit geht nichts mehr ohne Software. Bei Schnellecke entschied man sich für das Spezialprogramm Quentic, das über zahlreiche Module verfügt. Nachdem bereits seit längerer Zeit mit dem Modul für Arbeitssicherheit gearbeitet wird, sind in diesem Jahr die Module Umwelt, Gefahrstoffe und Nachhaltigkeit dazugekommen. „Damit haben wir jetzt die Möglichkeit, einen zentralen Abfallkataster für die ganze Gruppe sowie auch einen zeitnahen Überblick über alle Ressourcenverbräuche zu erstellen“, freut sich Unger. „Zudem haben wir eine Schnittstelle von Quentic zu unserem HR-System geschaffen. So werden Arbeitsunfälle jetzt in der Region Deutschland direkt auch in Quentic gemeldet und wir können eine wöchentliche Unfallanalyse durchführen.“

Insgesamt sieht Unger Schnellecke auf einem guten Weg. „Wir haben einen Führungsanspruch in der Logistik, dem wollen wir so schnell wie möglich auch bei der Nachhaltigkeit gerecht werden.“